Die Saison ist beendet, wir haben es endlich geschafft, und können gleichzeitig in den Annalen des
BSV das größte sportliche Chaos vermerken. Doch der Reihe nach:

Im Mai, als die Inzidenz deutlich höher lag und gemäß Corona-Verordnung in Innenbereichen pro Person 10 m²
gefordert wurden, hat der TOA die Termine für die letzten beiden Spieltage der Saison 2019/2020 von Juni 2021
auf den 4.7.2021 und 25.07.2021 verschoben. das Präsidium hat die Termine am 21.5.2021 bestätigt. Während
viele Sportverbände ihre Saison 19/20 schon längt begraben hatten wollte der Badische Schachverband unbedingt
zeigen, was er kann. Grundsätzlich nachvollziehbar, es muss ja mal weitergehen, aber nicht in der Art und Weise.
Der Verband kann von Glück reden, dass dieser organisatorische Blindflug dank gefallener Inzidenzzahlen und
neuer Corona-Verordnung nicht im absoluten Chaos endete. Selbst am 26.06.2021, als das oberste Organ des
BSV, der Verbandstag, nach langen Diskussionen in einer sehr knappen Abstimmung die beiden Termine bestätige,
war die Durchführung noch nicht gesichert, erst zwei Tage später trat die neue Verordnung in Kraft. Das Traurige
an der Sache ist, dass die knappe Mehrheit des Verbandstages die Vorbehalte vieler Vereine beiseite wischte.
Obwohl das schachliche Vereinsleben seit März 2020 mehr oder weniger brach lag, obwohl vermutlich kein Verein
in Baden im Mai einen Vereinsabend absolvierte und auch im Juni nur wenige Vereine starten konnten, obwohl viele
Einwände von Vereinen kamen (nicht genügend Spieler, kein Spiellokal), hat sich der Verbandstag darüber
hinweggesetzt. Betrachtet man die beiden Spieltage wurden die schlimmsten Befürchtungen eher noch übertroffen.

Am 8.Spieltag (in Klammer 9.Spieltag) wurden von insgesamt 217 (193) Punktspielen nur 75 (59) Begegnungen
ausgetragen. 132 (123) Begegnungen wurden kampflos gewertet, weitere 10 (11) Begegnungen wurden offensichtlich
geschoben, alle Partien endeten Remis. Weiterhin wurden in den gespielten Wettkämpfen 76 (64) Partien
kampflos entschieden!

Betrachtet man nur die badische Ebene von der Verbandsliga bis zur Bereichsklasse fanden in der 8.Runde von
70 Wettkämpfen immerhin mehr als die Hälfte statt, und zwar 38, 26 Kämpfe endeten kampflos, in 6 weiteren
Kämpfen wurden alle Partien remisiert, was nahelegt, dass die Begegnungen geschoben wurden. 26 Partien
wurden kampflos entschieden. Eine negative Steigerung gab es in Runde 9: 70 Spiele, 28 gespielt, 34 kampflos,
8 „geschoben“, 28 kampflose Partien.

An beiden Spieltagen wurden die Mannschaften wie man so schön sagt von unten her aufgefüllt. Man muss kein
Prophet sein um die Aussage zu treffen, dass viele Vereine mit einem deutlich schwächeren DWZ-Schnitt
angetreten sind als vor der Corona-Pause.

Als Folge der Antritte auf badischer Ebene fanden auf Bezirksebene gerade mal 37 (31) von 152 (123) Wettkämpfen
statt. 111 (89) Kämpfe wurden kampflos entschieden, 4 (3) Kämpfe wurden remis geschoben. 34 (36) Bretter blieben
unbesetzt. Der Bezirk Freiburg hat in einer internen Abstimmung (18:4) sogar die komplette Restrunde komplett abgesagt

Leider muss man feststellen, das auf allen Ebenen Vereine sogar Mannschaftskämpfe verloren gegeben haben, die
unmittelbare Konsequenzen auf den eigenen Auf- oder Abstieg hatten. Nicht mal dieser Druck konnte Vereine dazu
bewegen anzutreten. Viele über Monate sportlich erkämpfte Chancen wurde mit einem Schlag zunichte gemacht!

Allerdings sind wir nicht alleine, auch in NRW war man der Meinung, die Runde zuende zu spielen, mit dem Resultat,
das von den 70 angesetzten Spielen nur 25(!) Kämpfe stattgefunden haben. In der NRW-Oberliga fielen sieben von zehn
Begegnungen aus, in den beiden NRW-Ligen fanden 14 der 20 Matches nicht statt. In den vier NRW-Klassen wurden 24
der 40 Mannschaftskämpfe abgesagt. Die «Erfolgsquote» von knapp 36% ausgespielten Mannschaftskämpfen spricht Bände.

Letztlich stellt sich die juristische Frage, ob die Entscheidung des Verbandstages als oberstes Organ des Badischen
Schachverbandes überhaupt satzungskonform war. In §2, Absatz 2a der Satzung des BSV heißt es, dass der Verband
einen ordentlichen Ligabetrieb für die badischen Vereine organisieren soll! Aber war der überhaupt möglich, wenn die
Vereine selbst seit über 15 Monaten nicht mal mehr selbst organisiert sind? Diese Frage könnten wohl nur unabhängige
Juristen beantworten!

Auf jeden Fall geht dieser Saisonschluss im Juli 2021 als eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Badischen
Schachverbandes ein. Man hat den Schachsport und die Fairness mit Füßen getreten und der Lächerlichkeit preisgegeben!

Es ist schade, denn die Option auf dem Verbandstag war, die beiden Runden auf die geplanten ersten beiden Spieltage
der neuen Saison zu legen und dafür zwei neue Spieltage anzuhängen. Dies bot sich an, weil die Bundesliga erst im
Oktober ihre Saison 19/20 abschließt. Zwischenzeitlich wurde sogar bestätigt, dass die neue Saison in der 1. und
2.Bundesliga erst im Januar 2022 beginnt. Hätte man diesem Vorschlag zugestimmt hätten alle Vereine genügend Zeit
gehabt, den Vereinsalltag wieder aufleben zu lassen.

Aber das wollte man nicht, nun hat man die Quittung erhalten.

Die absolute Enttäuschung erfolgte im Nachgang, aus der Führungsriege des BSV: Absolutes Schweigen, kein Wort
der Entschuldigung an die vielen Schachfreunde, denen an diesen beiden Sonntagen der Spaß an ihrem Hobby
genommen wurde. Aber vielleicht kommt noch etwas, man soll ja nie die Hoffnung verlieren.