Am
vergangenen Wochenende fand der 2.Doppelspieltag der Frauenbundesliga statt.
Nach dem Auftakt in Leipzig, als wir gleich auf mehrere Stammspielerinnen
verzichten mussten und beide Spiele verloren, ging es in Stuttgart schon fast
um alles oder nichts. Doch mit den Rodewischer Schachmiezen und den USV TU
Dresden hatten wir den Vizemeister und Meister der vergangenen Saison als
Gegner, eigentlich eine fast unlösbare Aufgabe. Mit Marie Sebag konnten wir
zwar auf unsere Spitzenspielerin zurückgreifen, aber Larissa Dergileva musste
am Samstag gegen Rodewisch aus beruflichen Gründen pausieren. Für sie ging
Monika Seps, unser Schweizer Neuzugang, an die Bretter. Rodewisch selbst, nur
mit enttäuschenden 1:3 Punkten in die Saison gestartet; trat etwas schwächer
als erwartet an, war aber mit Ausnahme von Brett 1 zumindest gleichwertig oder
gar deutlich stärker. Für unser Team war die gegnerische Aufstellung jedoch ein
Signal, getreu nach dem Motto: „Hey, da geht was!“
Zunächst
verlief alles in ruhigen Bahnen. Keine Partie wurde frühzeitig entschieden,
alles war noch möglich. Vor- und Nachteile glichen sich in etwa aus. In der
letzten halben Stunde vor der Zeitkontrolle ging es Schlag auf Schlag. Zunächst
musste sich Polina Zilberman mit einem Remis zufrieden geben. In etwas besserer
Stellung konnte sie dem gegnerischen Dauerschach mit Springer und Dame nicht
ausweichen, jede andere Variante wäre vorteilhaft für Walldorf gewesen. Kurz
danach feierte Heike Vogel Premiere. Unsere Gastspielerin aus dem Rheinland
konnte in ihrem 3.Einsatz den ersten Sieg einfahren. Anschließend musste sich
eine etwas enttäuschte Marie Sebag am Spitzenbrett mit einem Remis zufrieden
geben. Angesichts der ausstehenden Partien war dieser
halbe Punkte jedoch nicht so schlecht. Somit stand es kurz nach der
Zeitkontrolle 2:1 für Walldorf. Und die Aussichten waren gut. Monika Seps
gelang in der gegnerischen Zeitnotphase der entscheidende Schlag mit Materialgewinn
und klar besserer Stellung. Manuela Mader hatte ein Turmendspiel mit ungleichen
Läufern und einem Minusbauern, der sich als unangenehmer Freibauer auf die
6.Reihe vorgetraut hatte. Unser jüngstes Mannschaftsmitglied, Alisa Frey, hatte
ein Endspiel mit je 3 Bauern und zwei Leichtfiguren (Springer+Läufer
gegen Läuferpaar), welches eine sehr remisliche
Tendenz aufwies. Die Hochrechnung lief auf ein 3,5:2,5 hin. Zunächst musste wir jedoch den Ausgleich hinnehmen. Zum
Materialnachteil kam bei Manuela Mader noch hinzu, dass die Figuren sehr passiv
standen. Das drohende Turmopfer gegen Läufer und Bauer, welches gleichzeitig
einen 2.Freibauern bedeutet hätte, war zu stark. Und zeigen lassen wollte sie
es sich auch nicht mehr. In der Zwischenzeit verstärkte Monika Seps ihre
Stellung und gewann einen weiteren Bauern. Ihre Gegnerin stand bereits kurz vor
der 2.Zeitnot, die Züge wurden immer ungenauer. Monika Seps nutzte dies
konsequent aus, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, gewann eine Figur und
erhielt kurz danach die Glückwünsche ihrer Gegnerin. Die erneute Führung für
Walldorf war perfekt. Alisa Frey musste „nur noch“ Remis halten. Bei beiden
Spielerinnen gingen es auf die letzte Minute zu. Alisa
spielte etwas ungenau und ließ somit noch gegnerische Chancen zu.
Glücklicherweise konnte sie den Springer gegen den Läufer tauschen und hatte
ein Endspiel mit Minusbauer und ungleichen Läufern. Beide Spielerinnen hatten
weniger als eine Minute auf der Uhr. In dieser Phase behielt Alisa die Nerven,
blockierte mit ihrem König den Freibauern, und der Läufer musste nur hin und
her ziehen. Hana Kubikova
schaute resignierend zu Mannschaftsführer und Schiedsrichter und sah ein, dass
die Partie nicht zu gewinnen war. Der Jubel bei uns war groß, als Hana Kubikova fair zum Remis
gratulierte und der Gesamtsieg für Walldorf feststand. Im Parallelkampf ließ
der Deutsche Meister aus Dresden nichts anbrennen und deklassierte die
Gastgeber mit 5,5:0,5.
Am
Sonntag gegen Dresden zogen wir zumindest ein kleines As. Larissa Dergileva
rutsche ins Team und spielte an Brett 3, somit war die Vorbereitung der
Dresdnerinnen an den hinteren Brettern Makulatur. Trotzdem war der Deutsche
Meister favorisiert, auch wenn das Glamourgirl des Deutschen Frauenschachs,
Elisabeth Pähtz, fehlte. Der Auftakt war nicht sehr
verheißungsvoll. Monika Seps dübelte einen Bauern ein, und Larissa Dergileva
verrechnete sich bei einem Turmopfer. Die schlechten Stellungen glich Marie
Sebag an Brett 1 aus, die gegen Jana Jackova den Sieg
landete. Da auch Polina Zilberman an Brett 6 ihre Partie gewann, führte man mit
2:1. Die Hoffnung auf den Mannschaftssieg erhöhten sich, als Monika Seps aus
ihrer schlechten Stellung eine Remis rettete. Die
verbliebenen Partien sahen eher etwas besser für uns aus. Manuela Mader war es
dann schließlich vorbehalten, mit einem Sieg gegen Claudia Meissner dem
deutschen Meister die 1.Saisonniederlage beizubringen. Heike Vogel, die mit
einem Mehrbauer auch etwas besser stand, gab schließlich ihre Partie remis, der
Endstand von 4:2 war hergestellt.
Mit
diesem Ergebnis konnte keiner rechnen. Wir hatten insgeheim auf ein bis zwei
Punkte gehofft, mehr eigentlich nicht. Dass es dann so ein traumhaftes
Wochenende wird hatten selbst die kühnsten Optimisten nicht erwartet.
Dies
war für unser Team ein erster Schritt in Richtung Klassenerhalt. Nun gilt es,
gegen Stuttgart-Wolfbusch in der Einzelrunde nachzulegen und in der Heimrunde
Ende Januar gegen Pankow und Halle weitere Punkte zu sammeln.
Die
Tabelle ist sehr eng. Mit Baden-Oos steht ein alter
Bekannter auf Rang 1, gefolgt von Halle. Rotation Berlin und
Stuttgart-Wolfbusch sind bereits deutlich abgeschlagen und dürften
Schwierigkeiten haben, nochmals den Anschluss zu schaffen. Doch dazwischen ist
es ganz eng. Vier Mannschaften mit 5 Punkten und 3 Mannschaften mit 4 Punkten
bilden das breite Mittelfeld. Und der Vizemeister Rodewisch ,
der sich am Sonntag gegen Wolfbusch mit 5:1 rehabilitierte, steht auf einem
Abstiegsplatz. Dies wird sich aber mit Sicherheit noch ändern, zu stark sind
die Schachmiezen. Auf jeden Fall verspricht die Liga in diesem Jahr Spannung
pur, hoffentlich bis zum letzten Spieltag