Schachverein 1947 Walldorf, das Werder Bremen der Frauenbundesliga!

 

Wie das, was haben die badischen Frauen mit den hanseatischen Männern zu tun? Waren die Walldorfer Frauen schon Deutscher Meister? Im Blitz schon, aber doch nicht im normalen Schach!

 

Nun, die Bremer sind bekannt für ihre 4,5:3,5-Siege, und die Walldorfer Frauen gewannen zum 4.Mal in Folge ebenfalls mit dem knappsten aller Ergebnisse, 3,5:2,5. Die Siegesserie des Aufsteigers bringt die Mannschaft auf Rang 4, und mit einem Sieg im Nachholspiel gegen Reisepartner Zeulenroda winkt sogar Platz 2. Eine Entwicklung, die in Walldorf niemand erwartet hatte.

 

Blicken wir zurück auf das vergangenen Wochenende. Nach der strapaziösen Fahrt nach Torgelow ging es diesmal „nur“ nach Leipzig. Mit der Bahn von Mannheim bzw. Köln kein Problem, lediglich die Familie Hess mit ihrem Baby zog aus praktischen Gründen die Fahrt mit dem Auto vor. Gegenüber den ersten Runden traten wir diesmal ohne prominente Verstärkungen an, dafür waren wir von Brett 1 bis 6 sehr ausgeglichen besetzt. Die Hoffnung bestand darin, vorne für eine Überraschung zu sorgen und hinten zu punkten. Und wir setzten natürlich auf den Überraschungseffekt, denn mit Sicherheit hatten sich die Gastgeber auf ein oder zwei Spitzenspielerinnen vorbereitet.

 

Bereits am Samstag trat genau dies ein. Großlehna, verwundert über die relativ schwache Aufstellung, hatte plötzlich die Favoritenrolle. Sämtliche Vorbereitungen waren über den Haufen geworfen, da andere Gegnerinnen gegenübersaßen. Und genau diesen Vorteil verwerte unsere Mannschaft. Elena Hess und Polina Zilberman erkämpften gegen jeweils stärkere Gegnerinnen ein Remis, Olga Lopatin hielt an Brett 4 den Druck stand und holte ebenfalls einen halben Punkt. Und an den Brettern 5 und 6 sorgten Gulsana Barpiyeva und Manuela Mader mit zwei Siegen für den Gesamtsieg. Schade nur, dass Larissa Dergileva an Brett 1 ihre Partie nicht halten konnte und verlor. Da zu diesem Zeitpunkt der Mannschaftssieg bereits feststand, war es lediglich ein kleiner Schönheitsfehler.

 

Nach einem gemütlichen Abendessen beim Vietnamesen zog man sich zu den Vorbereitungen für das Sonntagsmatch gegen Leipzig zurück. Denn der Überraschungseffekt war natürlich weg, die Aufstellung war bekannt, somit konnte sich Leipzig auf uns vorbereiten.

 

Wir waren jedoch recht optimistisch, hatte doch unser Reisepartner Zeulenroda den Gastgeber am Samstag geschlagen, warum sollte uns dies nicht auch gelingen?

 

Doch zunächst wurden wir überrascht. Die Leipziger mussten gegenüber ihrer Samstagsaufstellung auf ihr Brett 5 verzichten und waren dadurch am Brett 6 deutlich schwächer besetzt. Manuela Mader ließ sich jedoch nicht aus dem Konzept bringen und sorgte für die schnelle Führung. Ein weiterer Sieg von Olga Lopatin sowie zwei Remis von Elena Hess und Gulsana Barpiyeva sicherten uns zumindest einen Mannschaftspunkt. Schade nur, dass Larissa an Brett 1 erneut verlor. Aufgrund der mangelnden Spielpraxis ist es für sie nicht einfach, gerade gegen Gegnerinnen dieser Größenordnung. Doch die in den nächsten Wochen geplanten Turnierteilnahmen sollten dieses Manko beheben, und wenn die ersten persönlichen Erfolge zurückkommen, ist so eine Doppelnull schnell vergessen.

 

Bei einer 3:2 Führung war es schließlich Polina Zilberman, die nach fast genau 6 Stunden Spielzeit das Remis erkämpfte und den Mannschaftserfolg sicherte.

 

In zwei Wochen steht unser Heimspielwochenende auf dem Programm. Den Auftakt bildet bereits am Freitag unser Match gegen Zeulenroda, ehe wir am Samstag und Sonntag auf Halle und Hamburg treffen. Unser erklärtes Ziel Klassenerhalt ist greifbar nah. Doch die Ausgeglichenheit der Liga sorgt für Spannung im Abstiegskampf, während oben alles entschieden sein dürfte. Der klare Vorsprung der Dresdner Frauen dürfte uneinholbar sein. Wir sollten zumindest noch zwei Punkte erkämpfen, dann dürfte der Klassenerhalt gesichert sein.

 

Eine Anmerkung zum letzten Doppelspieltag:

Aus sportlichen Gründen wäre es sinnvoll, diese Runde zu verlegen. Dadurch werden Wettbewerbsverzerrungen verbunden mit einem bitteren Nachgeschmack vermieden. Eine Europameisterschaft hat Vorrang, auch wenn diese Überschneidung durch eine Terminverschiebung zustande kam. Ob eine Verlegung organisatorisch möglich ist? Hierzu muss man die Vereine fragen, aber schnell, denn so viel Zeit ist nicht mehr!