Blitzschach - schnelle Partien, viele Runden... Genau das, was in einem Team Spannung verspricht.
Aber dennoch war das Interesse seitens der Schachdamen an den Deutschen Meisterschaften
nicht sonderlich groß und dies, obwohl das Turnier in Mainz, nur etwas mehr als 100 km von
Walldorf entfernt stattfinden sollte. Der Grund war jedoch offensichtlich: Der DSB hatte den
Termin erst zwei Wochen vorher bekanntgegeben. Wir sind eben keine Profis, die alles dem
Schach unterordnen können und wollen, diejenigen, die von uns Familie haben, können nicht mir
nichts dir nichts einfach einen Tag entschwinden und Mann und Maus sich selbst überlassen. Nach
einigen Telefonaten und Emails schaffte es Peter Schell aber dennoch, eine Mannschaft auszustellen:
Polina Zilberman, die die Vereinsaktivitäten ehrgeizig unterstützt, Gulsana Barpiyeva, die es sich ja
ungern nehmen lässt, mit von der Partie zu sein, Anne Reiske, schnell angeworbenes Jugendtalent
aus der Pfalz
und Alissa Berger, die besser Autofahren als Schachspielen kann.
Die Mannschaft wurde gemeldet und nun lag es an ihr, am Samstag, den 02. Juli 2005 in Mainz zu sein.
Dass dies unser großer Tag werden sollte, ahnten wir zuvor nicht! Gulsana wohnt mittlerweile in
Mainz - um sie und ihre Anreise musste man sich keine Sorgen machen, was aber mit den anderen?
Würde da alles klar gehen? Bekanntlich ist der Teufel ein Eichhörnchen und entsprechend hatte
Polina niemand gefunden, der ihr Kind betreut und mit der Zeiteinteilung hatte sie es auch nicht. Also
wurde sie aus der Not heraus zu Hause abgeholt - was als ziemlicher Umweg recht viel Zeit verbrauchte
und der in Frankenthal wartenden Anne Nerven kostete. Als endlich alle eingesammelt waren, kam die
erste Schrecksekunde: Stau!!! Zum Glück war er nur von kurzer Dauer, aber dann die Suche nach
dem Spiellokal - jetzt war Gulsana diejenige, die zappeln musste. Aber im Handy-Zeitalter ist ja alles
kein Problem; ein Anruf zum Bescheid sagen und dann die wirkliche Erleichterung als wir pünktlich um
13.30 Uhr das
Spiellokal bei Schott Mainz betraten.
Es war ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Die Schachwelt der Frauen ist klein und da alle schon
länger dabei sind, kennt man sich halt. Dazu kam eben auch noch, dass mit Mainz, Krefeld und Hofheim
die Mitstreiterinnen der diesjährigen Saison in der 2. Frauenbundesliga anwesen waren. Lediglich
die Regionalliga-Mannschaft aus Wadgassen waren Unbekannte. Das Reglement sah ein doppelrundiges
Turnier vor, aber es wurde darüber beraten, ob man nicht vier Runden spielen könnte. Leider war
Krefeld dagegen
und so standen eben nur 8 Partien auf dem Programm.
In der 1. Runde hatte Walldorf spielfrei und konnte sich so erst einmal über den nervenberuhigenden
Kuchen her machen. Dann ging es gegen Krefeld und wurde das Glücksgefühl gleich jäh zerstört: 2,5 zu 1,5 -
eine Niederlage zum Turnierstart, kein gutes Omen. Doch dann erinnerten wir uns, dass wir ja den Tiger
in den Tank gepackt hatte und den ließen wir dann heraus. Die nächsten Partien wurde alle gewonnen und
so standen wir schon nach der vorletzten Runde als Turniersiegerinnen fest! Da wir aber auch fürs Ergebnis
spielten, gaben
wir auch in der letzten Runde alles und gewannen auch diese.
So waren wir am Ende Deutsche Meisterinnen und haben damit den ersten Deutschen Meistertitel
der Vereinsgeschichte
errungen!!!
Leider war die Siegerehrung ziemlich dürftig - kein Pokal, keine Medaillen, nicht einmal Urkunden,
lediglich ein grüner 100-Euro-Schein wurde uns überreicht. Aber wir strahlten trotzdem und hatten
auch allen Grund dazu. Mit 14:2 Mannschaftspunkten und 23 Brettpunkten hatten wir einen deutlichen
4-Punkte-Vorsprung
vor den zweitplatzierten Krefeldern.
Endergebnis:
1.
SV Walldorf 14-2 23,0
2.
SK Krefeld 10-6 18,0
3.
Schott Mainz 7-9 15,5
4.
SV Hofheim 5-11 11,5
5.
SF Wadgassen 4-12 12,0
Alissa
Berger